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Tiefe Beinvenenthrombose

 

Relevanz von Blutgerinnungsstörungen

Legende: (*1) [Thrombosis and Haemostasis 2007 98 4: 756-764 (PDF >>). Venous thromboembolism (VTE) in Europe - The number of VTE events and associated morbidity and mortality Alexander T. Cohen: for the VTE Impact Assessment Group in Europe (VITAE)].

 

Einleitung

Beinvenenthrombose und Lungenembolie sind häufige und gefährliche Erkrankungen. Beide Erkrankungen werden häufig nicht oder spät diagnostiziert, dann hat die Lungenembolie eine Mortalität um 30 %! Bei etwa 2/3 aller Patienten mit TVT lassen sich mit entsprechend sensitiven Verfahren Lungenembolien nachweisen, die weit überwiegend klinisch stumm verlaufen sind.

Ätiologie

Immer noch gilt die sog. »Virchow Trias«: venöse Stase, Hyperkoagulabilität, Endothelläsion. Zu einer venösen Stase kommt es z.B. im Rahmen von Immobilität, bei Operationen (insbesondere orthopädische Operationen an den unteren Extremitäten. Eine Hyperkoagulabilität kann angeboren (z.B. APC Resistenz) oder erworben (z.B. Tumor) bestehen, eine Endothelläsion kann z.B. durch Entzündungen ausgelöst werden.

Risikofaktoren

In 30–40 % aller VTE keine erkennbare Ursache (»idiopathisch«).

Allgemeine Risikofaktoren

Spezielle Risikofaktoren

Das VTE Risiko ist im 1. Jahr der Einnahme hormoneller Kontrazeptiva am höchsten. Es sinkt im 2. Jahr erheblich und ist im 3. Einnahmejahr nur noch gering ausgeprägt [Schellong, 2011]. Reine Gestagen-Produkte haben kein erhöhtes Thromboserisiko.

Lokalisation

90 % im Einflussgebiet der unteren Hohlvene. Häufiger im linken als im rechten Bein (»Venensporn«). In bis zu 15 % beidseits. Tiefe Armvenenthrombosen finden sich selten (< 10 %).

Klinik

Typische klinische Befunde

Cave: Bis zu 50 % der ambulant aufgetretenen und bis zu 90 % der stationär aufgetretenen TVT werden durch alleinige klinische Untersuchung nicht erfasst!

Diagnostik

Algorithmus zum diagn. Procedere und Score für klin. Wahrscheinlichkeit (KW)

Bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit und normalen D-Dimeren ist keine weitere TVT-Diagnostik notwendig! [Interdisziplinäre S2 Leitlinien, 2010] (PDF) >>
 

Abbildung 16-1
Abb. 16-1: Algorithmus zur Primärdiagnostik der TVT (* unter Kompression und Antikoagulation in prophylaktischer Dosierung, bevorzugt mit NMH.
KW = Klin. Wahrscheinlichkeit, z.B. Wells–Score, Tab. 1; 
KUS = Kompressionsphlebosonographie).

 

Wells-Score nach Wells PS et al (N Engl J Med, 2003)

Klinische Charakteristik Score
Aktive Krebserkrankung 1,0
Lähmung od. kürzliche Immobilisation 1,0
Bettruhe (> 3 Tg.); große Chirurgie (< 12 Wo.) 1,0
Schmerz / Verhärtung entlang d. tiefen Venen 1,0
Schwellung ganzes Bein 1,0
Schwellung Unterschenkel > 3 cm zur Gegenseite 1,0
Eindrückbares Ödem am symptomatischen Bein 1,0
Oberflächliche Kollateralvenen (keine Varizen) 1,0
Frühere, dokumentierte tiefe Venenthrombose 1,0
Alternative Diagnose ebenso wahrscheinlich wie TVT -2,0

Wahrscheinlichkeit für TVT/Score: hoch ≥ 2, gering < 2

 

Klinische Diagnostik

Laborchemische und apparative Untersuchung

Alternativ

 

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Stand: Jan. 2017  |  © 2017 Prof. Dr. J. Braun